DLG e.V. - „Der Landwirt sollte gerne mit dem Computer umgehen“

„Der Landwirt sollte gerne mit dem Computer umgehen“

Wir haben für den DLG-Newsletter mit Hans-Martin Vogt aus Ahlerstedt gesprochen. Der Landwirtschaftsmeister führt gemeinsam mit seinem Sohn Martin-Hinrich Vogt und einem Mitarbeiter die Basshoff-Milch GbR im niedersächsischen Ahlerstedt.

Herr Vogt, bitte stellen Sie sich uns doch einmal kurz vor:

Hans-Martin Vogt: Gerne. Ich bin 67 Jahre alt und habe mit meiner Frau Irene unsere beiden Töchter Anna-Lena und Katharina-Sophie sowie unseren Sohn Martin-Hinrich. Unser Sohn ist in unseren landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit eingestiegen und seither bewirtschaften wir ihn als GbR.

Wo liegt denn Ihr Betrieb und wie ist er ausgerichtet?

Vogt: In Ahlerstedt im Süden des Landkreises Stade im Großraum Hamburg-Bremen. Es ist ein Milchviehbetrieb mit 280 Kühen und 240 Tiere weibliche Nachzucht. Die Betriebsfläche umfasst 75 ha Grünland, 60 ha Mais und 5,5 ha sonstige Flächen. Die gute innerörtliche Lage des Betriebes ermöglichte uns ein weiteres Wachstum.

2013 haben wir im Zuge der GbR-Gründung einen neuen Stall gebaut. Wir haben uns im Stall für einen hohen Technisierungs-Grad mit geringem Arbeitskräfte-Einsatz entschieden und melken seither mit vier Melkrobotern. Die Herdenleistung beträgt im Durchschnitt 11.400 kg.

In unserer Arbeitsorganisation haben wir uns für die qualitativ gute Betreuung im Stall entschieden und lagern viele Außenarbeiten, wie die Gülleverteilung mit dem Schleppschuhverteiler sowie die Feldfutterernte und das Mais Häckseln, aus.

Hat Ihnen die DLG bei Ihren beruflichen Entscheidungen geholfen?

Vogt: Ganz bestimmt. Ich habe auf der DLG-Ausstellung in Hannover zum ersten Mal einen Melkroboter gesehen. Da ich ein technikbegeisterter Mensch bin, bin ich schon seit jungen Jahren DLG-Mitglied. Die DLG-Mitteilungen habe ich immer mit großem Interesse gelesen. Sie sind zeitnah, kompakt, richtungsweisend und zukunftsorientiert. Die DLG ist immer am Puls der Zeit.

Besonders wichtig finde ich die Junge DLG. Sie motiviert junge Betriebsnachfolger und Betriebsnachfolgerinnen, sich mit dem Beruf und der Öffentlichkeit auseinanderzusetzen. Sie stärkt das Selbstbewusstsein und die Freude an der Arbeit.

Das heißt also, die Öffentlichkeitsarbeit ist Ihnen ein wichtiges Anliegen.

Vogt:
Ja. Wir haben schon zweimal zusammen mit der Firma Lely einen Tag der offenen Tür veranstaltet und einmal den Tag des offenen Hofes mit dem Landvolk und dem NDR. Die Haltung unserer Tiere liegt uns besonders am Herzen. Durch den Neubau sind optimale Haltungsweisen geschaffen worden, Kuhwohl – Licht, Luft, Platz, also Herdenüberwachung und Fütterung zum Wohle der Kuh.

Darauf sind wir stolz, und das wollen wir auch den Menschen zeigen. Öffentlichkeitsarbeit bedeutet aber auch, sich mit unbefriedigenden Tatsachen auseinanderzusetzen.

Was ist denn unbefriedigend für Sie als Milcherzeuger?

Vogt: Zum Beispiel unsere Milchablieferung. Wir liefern an DMK, das ist die größte Molkerei Deutschlands. Aber Größe allein sagt noch nichts über die Wirtschaftlichkeit aus. Meiner Meinung nach muss sich die Wertschöpfung der Molkerei deutlich verbessern. Ich sehe hier zu hohe Verwaltungskosten und keine optimale Ausrichtung.

Eine Neustrukturierung muss schnell umgesetzt werden, um langfristig erfolgreich zu sein, so sehe ich das. Aber es gibt auch Positives zu berichten: Die weitere Entwicklung am Milchmarkt sieht nach einem tiefen Tal 2015/16 erfreulich aus.

Und wie sehen Sie die Zukunftsaussichten für die Milcherzeuger?


Vogt: Die neuen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft, besonders der Milchviehhaltung, werden zu einem starken Wachstum der Betriebe beitragen, wie dies auch in der Vergangenheit schon geschehen ist. Meiner Meinung nach werden die moderne Technik und ihr Einsatz zum Wohl der Tiere richtungsweisend in der gesamten landwirtschaftlichen Branche sein und letztendlich auch für die erforderliche Akzeptanz in unserer Bevölkerung sorgen. Unsere älteste Kuh ist 17 Jahre alt, das spricht, glaube ich, für sich.

Ich sehe es als klaren Vorteil der modernen Technik, dass man die Zahlen zu jedem Tier jederzeit auf dem Computer sehen und mit deren Hilfe dann seine Entscheidungen treffen kann. Der Landwirt von heute sollte gerne mit dem Computer umgehen. Schlussendlich muss man Lust haben und Freude daran empfinden, den Beruf des Landwirts und Milchviehhalters auszuüben, das ist die Grundvoraussetzung für den Erfolg.

Die Fragen stellte Angelika Sontheimer